Wald und Eisen auf dem Gebiet von Isernhagen

Noch vor 1000 Jahren befand sich im Raum Isernhagen – Langenhagen – Altwarmbüchen – Bothfeld ein großes, ausgedehntes Waldgebiet, das von früherer Besiedelung wegen seiner Nachbau eines Schmelzofens der Waldschmiedeungünstigen Beschaffenheit gemieden worden war.

Bedeutsam jedoch, vermutlich bereits in germanischer Vorzeit, spätestens aber nach Niederringung des sächsischen Widerstandes durch Karl den Großen waren die in der Wietzeniederung vorzufindenden Eisenablagerungen, Raseneisenstein oder Ortsstein genannt. Diese Ablagerungen, die ca. 30 bis 40 cm unter der Erdoberfläche anzutreffen, sind vor ca. 7000 Jahren, nach Abklingen der letzten Eiszeit in den Randzonen der damaligen Überschwemmungsgebiete der Wietze entstanden. Auch heute noch ist die eisenhaltige Beschaffenheit des Bodens durch die rostige Färbung des Wietzeufers und das rosthaltige Wasser der Brunnen im Stadtteil zu erkennen.

Schmelzkundige Waldschmiede, an den Randzonen der damaligen Überschwemmungsgebiete der Wietze vereinzelt in den Wäldern angesiedelt, haben daraus schmiedebares Eisen gewonnen.

Die Eisenproduktion war so bedeutsam, dass in welfischer Zeit Heinrich der Löwe die Erfassung der gesamten Eisenproduktion im Wietzegebiet anordnete und in Neucelle an der Aller einen Hafen für den Holzhandel und einen Stapelplatz für abgeliefertes Schmiedeeisen errichten ließ. Auf diesem Wasserweg wurde das so genannte Hannoversche Eisen dann in den Handel gebracht. Die Zeit der Waldschmiede hatte gegen Ende des 13. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht. Danach waren die ergiebigsten Fundplätze abgebaut, vor allem die aufkommende Konkurrenz der Harzer Bergwerke, die mit verbesserten Schmelzverfahren besseres und billigeres Eisenerz auf den Markt bringen konnten, führten zur Verschuldung und letztlich zum Niedergang der Waldschmiede in diesem Gebiet.

Später wurde der Raseneisenstein auch als Baustoff verwendet. Zu sehen ist er heute noch an der Bothfelder Kirche, der Marienkirche in Isernhagen und manchem Gebäude in unserem Raum.

“Isern“ steht für „Eisen“ und so ergibt sich die Erklärung für die Bezeichnung „Isernhagen“.

Abbau von Trümmererz am Anfang des 20. Jahrhunderts

Noch einmal von 1907 bis 1918 bekam das Eisenvorkommen von Isernhagen Bedeutung. Dort wo heute an der Einfahrt nach Isernhagen NB das Autohaus Köhler ist, befand sich ein Hügel, welcher nach Süden zu den Wiesen flach abfiel.

Erztagebau_K02Die Prüßentrift durchschnitt diesen Hügel. Darunter befand sich Toneisengeröll, eine Hinterlassenschaft der mittleren Eiszeit. Das Lager war so ergiebig, dass die Ilseder Hütte bis 1918 das Vorkommen im Tagebau abbaute und mit der 1901 eröffneten Straßenbahnlinie 17, die von Hannover, die Prüßentrift entlang nach Burgwedel führte, das Erz nach Ilsede brachte, wo es gewaschen und verarbeitet wurde. Seit Aufnahme der Förderung sind in den Jahren 1909 – 1920 insgesamt 248 962 Tonnen Tonerz gefördert worden.


Ein weiteres, kleineres Vorkommen, auf dem heutigen Standortübungsplatz, vom Fuhrbleek aus gleich südlich der Wietze wurde 1916 bis 1918 abgebaut. Dort war der Raseneisenstein sehr flach im Boden, so dass man mit Hacke, Spaten und Schaufel an ihn herankommen konnte. Russische Kriegsgefangene und ihre Bewacher waren hier in Baracken untergebracht und luden das schwere Gestein auf Loren, welche dann auf Schienen zur Langforther Straße und weiter zum Kanalgeschoben wurden. In der Nähe der ehemaligen Constantin-Cigarettenfabrik wurden die Raseneisensteine von serbischen Kriegsgefangenen gewaschen und auf Lastkähne verladen um zur Ilseder Hütte gebracht zu werden.

Isernhagen, das an die ursprünglich gleichartigen Dörfer Langenhagen, Altwarmbüchen, Groß-Horst grenzt, entstand wie diese in dem erwähnten Waldgebiet.
Erst im 12. Jahrhundert mit dem Einsetzen einer neuen Besiedelungswelle wurden diese Dörfer angelegt. Der Name Isernhagen wird als Yserhage 1322 erstmals urkundlich erwähnt
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