Entstehungsgeschichte von Isernhagen-Süd

Über die "Schweinetrift" ging es in die Eichenwälder

Isernhagen-Süd ist der nördlichste Stadtteil Hannovers. Er grenzt im Westen an die Stadt Langenhagen, im Norden und Osten an die Gemeinde Isernhagen, Im Süden liegt Bothfeld.  Der Stadtteil gehört zum Stadtbezirk 3 (Bothfeld-Vahrenheide).

Alte LandkarteFrüher gehörte der Stadtteil Isernhagen-Süd  zum nördlich davon gelegenen Dorf Isernhagen NB (Niederhäger Bauerschaft), das mit der Kircher Bauerschaft (KB), der Farster Bauerschaft (FB) und der Hohenhorster Bauerschaft (FB), das angeblich größte europäische Straßendorf bildete.

Diese Bezeichnungen sind alten charakteristischen Ackerbürgerstädten entnommen, die ehemals Gärten, Äcker und Allmende besaßen, welche von den "geburen" dann bewirtschaftet wurden. In niederdeutschen Städten hatte sich dafür die Bezeichnung "Burschap" erhalten.

Die Bauern dieser vier Altdörfer Isernhagens übten viele Nebentätigkeiten aus und gelangten durch Hopfen und Pferdehandel vor allem im 16. und 17. Jahrhundert zu annehmbarem Wohlstand. Aus dieser Zeit stammen die für Isernhagen so charakteristischen Fachwerkhäuser mit den reich verzierten, mehrfach vorkragenden Wirtschaftsgiebeln.

Isernhagen-Süd liegt gewissermaßen auf dem Grenzgebiet von Isernhagen und Bothfeld. Die Entwicklung des Stadtteils ist folglich eng mit der Geschichte von Isernhagen NB verbunden, aber auch ohne einen Blick auf die Geschichte von Bothfeld nicht denkbar.

FeldmarkErst ab 1974 gingen die Gemeinde Isernhagen und der Ortsteil Isernhagen NB-Süd getrennte Wege. Bei der Gebietsreform von 1974 wurde dieser Ortsteil – nunmehr Isernhagen – Süd genannt, der Landeshauptstadt Hannover zugeschlagen, damals zum Leidwesen vieler Bürger, die gerne beim “Dorf“ geblieben wären.

Wer heute durch die schöne, weitgehende offene Feldmark wandert, die als Landschaftsschutzgebiet die Ansiedlung umgibt, kann man sich kaum vorstellen, dass bis ins 12. Jahrhundert hinein im Raum Langenhagen – Isernhagen – Altwarmbüchen – Bothfeld ein großes ausgedehntes Waldgebiet gewesen ist, das wegen seiner ungünstigen Beschaffenheit von früher Besiedelung gemieden worden ist.

Als bedeutsam allerdings erwiesen sich in germanischer Vorzeit, spätestens zur Zeit Karls des Großen, die in der Wietzeniederung vorkommenden Eisenablagerungen, Raseneisenstein oder Ortsstein genannt.
Schmelzkundige Waldschmiede waren die ersten Siedler im Raum. Sie hatten sich an den Randzonen des Überschwemmungsgebietes der Wietze niedergelassen und haben schmiedbares Eisen gewonnen.
Die Zeit der Waldschmiede hatte gegen Ende des 13. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Danach waren die ergiebigsten Fundorte ausgebeutet.

Bevor etwa im 12. Jahrhundert beginnend das Dorf Isernhagen entstehen  konnte, musste dem Wald erst einmal die erforderlichen Grundlagen abgerungen werden. Für Wohnraum, Acker- und Weideland mussten die benötigten Flächen durch Rodung geschaffen werden.

Jedem Siedler wurde entlang eines durch den Wald geschlagenen Weges ein etwa gleich breiter Streifen Landes abgesteckt, den er zu beiden Seiten roden durfte. So entstanden eine ganze Reihe Gehöfte, auf denen das Ackerland zumeist im Vorfeld, d.h. vor dem Hof, lag, Gärten, Wiesen und Weiden hinter dem Hof, auf dem Echterfeld (achtern; hinter dem Haus). Noch heute weisen Straßennamen wie Im „Vorfelde“, „Echternfeld“ oder „Echterngrund“ auf die ursprüngliche Siedlungsform hin. Dort, wo das Dorf endete, blieb der Wald zunächst für eine gemeinsame Nutzung als Viehweide bestehen, die so genannte Allmende.
Prüßentrift einst
Zur Zeit der ersten Isernhägener Bauern bestimmten noch weitläufige Eichenwälder das Bild, die als Nahrungsquelle sehr beliebt waren. So trieben die Bauern ihre Schweine zum Fressen häufig in die Wälder nahe der Wietze, was dem bevorzugten Weg der Viehkarawane den Namen „Schweinetrift“ einbrachte. Später ist dieser Weg nach dem Bauer Heinike Prüße, „Prüßentrift“ benannt worden, dessen Hof am nördlichen Ende der „Schweinetrift“, nahe dem heutigen Gasthaus Dehne, lag

Der Name „Isernhagen“ bereits im Jahre 1322 als „Yserhage“ erstmals urkundlich erwähnt. Der zusammengesetzte Ortsname deutet auf Eisen und auf die Siedlungsform „Hagendorf“ hin.

Schon zur Gründungszeit des Dorfes Isernhagen müssen die reichhaltigen Eisenvorkommen in der Wietzeniederung eine so wichtige Rolle gespielt haben, dass „Eisen“ Eingang in den Namen gefunden hat.
Das Wort „Hagen“, das sich etwa mit „umhegter Bereich“ oder „Hof“ übersetzen lässt, liefert uns Hinweise auf die Siedlungsform. So wurden mit „Hagenhufen“ jene handtuchförmige, breite Streifen des Landes bezeichnet, in die die Flur der Hagendörfer aufgeteilt waren. Territorien Ende 18Jh

Im Gegensatz zum „Dorf“ blieb das heutige Isernhagen - Süd noch lange Zeit von einer Besiedlung ausgenommen.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden dort nennenswerte Ansiedelungen statt. Zunächst noch sehr weitläufig. Mitte der zwanziger Jahre kamen mehrere Häuser hinzu, zumeist in ausgedehnten Grundstücken oder Obstplantagen., bis in den Jahren zwischen 1930 und 1940 eine erste Bauwelle einsetzte.
Auch der Krieg verschonte den Ortsteil nicht. Zerstörter Wohnraum musste wieder aufgebaut werden, neue Häuser wurden vereinzelt gebaut.

Anfang der 50-er Jahre entstand auf einem Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes um die Straße „Am Fasanenbusch“ der Kern eines neuen Siedlungsgebietes mit bescheidenen Häusern, um das sich später noch ca. weitere 150 Häuser gruppierten. Die Aufgabe der Entwicklung dieser Siedlung wurde von der am 15. September 1949 gegründeten „Gemeinnützigen Kreiswohnungs- und Siedlungs GmbH übernommen.

Ab 1960 / 1970 wurde Isernhagen-Süd als grünes Wohngebiet entdeckt und eine neue Bauwelle mit großzügigen Häusern begann, die sich auch heute noch fortsetzt.
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Nun hat bereits die  Erbfolge eingesetzt.  Der Abriss alter Gebäude und die Umgestaltung von Grundstücken sind die Folge. Immer noch wird gebaut. Dem Zeitgeist entsprechend ist die Architektur seit 2000 von gerader Linienführung und der Verwendung von viel Glas gekennzeichnet. Das Bauhaus lässt grüßen.

Bothfeld

Südlich der Autobahn schließt sich der Stadtteil Bothfeld an.
Die Ortschaft Bothfeld wurde 1274 erstmals als "Botvelde" in einer Schenkungsurkunde des Herzogs Johann von Braunschweig-Lüneburg (1252 - 1277) erwähnt. Auch die Bezeichnung "Bortfeldt" oder "Bortfelt" ist zu finden. Die Schreibweise wechselte jeweils im Laufe der Zeit.
Während des Mittelalters lag der Ort im Grenzland. Die Bachläufe von Wietze und Schnede bildeten die natürlichen Grenzen zwischen Ostfalen und Engern sowie zwischen den Fürstbistümern Minden und Hildesheim.
 
Das Kirchspiel Bothfeld wurde im Mittelalter zunächst in weltlichen wie in geistlichen Angelegenheiten vom Pfarrer von St. Nikolai verwaltet. Während der Hildesheimer Bischofsfehde (1331 - 1352) gelangte Bothfeld an das Herzogtum Lüneburg. Nach dem Lüneburger Erbfolgekrieg (1371 - 1388) und der darauffolgenden Teilung der Herzoghäuser Braunschweig und Lüneburg wurde Bothfeld als Bestandteil der Vogtei Lauenrode bzw. Langenhagen dem Haus Braunschweig-Lüneburg-Calenberg angeschlossen.
Über mehrere Jahrhunderte wurde die Verwaltung durch einen Vogt wahrgenommen. Zunächst war dies der Vogt von Lauenrode bzw. Langenhagen, später der Vogt von Bothfeld. Dem eingesetzten Vogt oblag die Verwaltung und Betreuung dieser wohl kleinsten Verwaltungseinheit des Fürsten- und späteren Herzogtums Calenberg. Calenberg als ehemaliges Teil-Fürstentum der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg bildete den Grundstock des späteren Kurfürstentums Hannover. Unter Herzogin Elisabeth II. (1540 - 1546) wurde hier 1542 die Reformation eingeführt. 
Die Vogtei Bothfeld umfasste die vier ehemaligen Dörfer Bothfeld, Groß-Buchholz, Klein-Buchholz und Lahe. Alle vier Dörfer lagen auf einer etwa drei Meter hohen Anhöhe. Dieser bescheidene Höhenunterschied war für die Besiedlung der Vogtei von entscheidender Bedeutung. Während die angrenzenden Flächen aus unwirtlichem Sumpf- und Brachland bestanden, überragte die eiszeitliche Erhöhung das benachbarte Niederungsgelände so weit, dass man trocken darauf wohnen und Äcker und Wiesen anlegen konnte. 
Bothfeld war im 19. Jahrhundert noch eine reine Landgemeinde. Die Geest- und Heidelandschaft war mit Heidekraut und Kiefern bewachsen. Neben der Viehhaltung erfolgte Holzwirtschaft. Im Jahr 1907 wurde der Ort zusammen mit Lahe und dem Gutsbezirk Mecklenheide in die Stadt Hannover eingemeindet.
 

(Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Isernhagen - www.isernhagen.de)
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