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Gewässergütekarte der Landeshauptstadt Hannover 2002
Erläuterungsbericht

In der Stadt Hannover werden umfangreiche Wassergüteuntersuchungen an Fließgewässern seit 1984 regelmäßig durchgeführt. Dabei werden etwa 40 Fließgewässer an rund 100 Untersuchungsstellen beprobt. Die Wassergüte wird vorrangig nach biologischen Kriterien bestimmt, chemische und physikalische Messdaten ergänzen die Gütebestimmung und geben Auskunft über die Art von Belastungen.

Bei der biologischen Gütebestimmung werden sogenannte „Bio-Indikatoren“ benutzt. Das sind mit dem bloßen Auge erkenn- und bestimmbare Kleintiere, die anhand ihrer speziellen Lebensraumansprüche, die sie über Jahrmillionen entwickelt haben, Auskunft über die Eigenschaften (Qualität) des Wassers geben. Die Güteklasse II stellt für die stadthannoverschen Fließgewässer die natürliche Güteklasse dar, d. h. auch ohne Einfluss des Menschen würden die Fließgewässer aufgrund der natürlichen Nährstoffeinträge (z. B. über Falllaub) und der relativ geringen Fließgeschwindigkeit mäßig belastet sein. Zeigerarten (Bio-Indikatoren) dieser Güteklasse sind u. a. Flohkrebse, Strudelwürmer, Posthorn- und Flussnapfschnecken, runde Eintagsfliegenlarven und Köcherfliegenlarven.

Der Anteil der Länge der Fließgewässer, die sich in Güteklasse II (mäßig belastet) befinden, ist ein wichtiger Indikator für die Nachhaltigkeit im Umgang mit unseren Gewässern. Alle Fließgewässer mit einer schlechteren Wassergüte sollten in einem überschaubaren Zeitraum die Güteklasse II erreichen.

1998 verfügten 27,3 % der Fließgewässerstrecken Hannovers über die Güteklasse II, 72,7 % befanden sich in einer schlechteren Wassergüte. Im Jahr 2001 hatten bereits 33,3 % der Fließgewässerstrecken die Güteklasse II erreicht.

Wassergüte

Wassergüte der hannoverschen Fließgewässer
bezogen auf ihre Fließlänge

Güteklasse II

mäßig belastet

Güteklasse II - III

kritisch belastet

Güteklasse III

stark verschmutzt

Güteklasse III - IV

sehr stark verschmutzt

Güteklasse IV

übermäßig verschmutzt

Die vorliegende Gewässergütekarte zeigt das Ergebnis der Untersuchungen, die im Zeitraum 1999 bis 2001 an den hannoverschen Fließgewässern durchgeführt wurden.

Wietze und Nebengewässer

Die Wietze quert das Stadtgebiet Hannovers zwischen Altwarmbüchen und Langenhagen in ost-westlicher Richtung. An der Stadtgrenze zu Langenhagen fließt die Wietze in nördliche Richtung auf die Aller zu. Ihr Wasser ist kritisch belastet (Güteklasse II-III) durch Regenwasserzuflüsse von versiegelten Oberflächen und die gereinigten Abwässer der Kläranlage Langenhagen. Über die Flöth, einem Nebengewässer, das oberhalb der Stadt in die Wietze mündet, gelangen zudem höhere Eisengehalte in den Bach. Oberhalb der Kläranlage Langenhagen war die Wietze 1998 als mäßig belastet (Güteklasse II) eingestuft worden, die biologische Analyse zeigte allerdings eine Tendenz zur Güteklasse II-III. Derzeit ist wiederum eine Tendenz zur Güteklasse II erkennbar. Dieses „Gütewechselspiel“ wird erst mit der Renaturierung der Wietze, die eine Verbesserung des Selbstreinigungsvermögens bewirken wird, zugunsten der Güteklasse II entschieden werden können.

Die gereinigten Abwässer der Kläranlage Langenhagen werden der Wietze über den Flussgraben zugeführt. Die Reinigungsleistung der Kläranlage ist inzwischen so gut, dass der Flussgraben durch die Abwässer nur kritisch belastet wird, 1990 war er hier noch übermäßig verschmutzt (Güteklasse IV). Auch oberhalb der Kläranlagenzuflüsse befindet sich Flussgraben in der Güteklasse II-III. Höhere Eisengehalte, die über Nebengewässer in den Flussgraben gelangen, führen bei der Oxidation zu Sauerstoffzehrungen. Oberhalb der Einmündung des Neuen Graben (Güteklasse II-III), der vorwiegend vom Rückhaltebecken Langenforther Straße gespeist wird, fällt der Flussgraben zeitweise trocken. Auch mit Wasserführung zeigt der Bach selten Fließverhalten und seine Sohle besteht hier fast ausschließlich aus Faulschlamm. Dieser Bachabschitt ist stark verschmutzt (Güteklasse III).

Der Laher Graben mündet oberhalb von Isernhagen-Süd in die Wietze. Seine Wasserqualität wird durch den Wietzegraben und dem oberen Schiffgraben beeinflusst, aus deren Zusammenfluss der Laher Graben entsteht. Das Gewässer ist zunächst kritisch belastet (Güteklasse II-III), erst im Unterlauf erreicht es über sein Selbstreinigungsvermögen die Güteklasse II. Die relativ hohen Ammonium- und Eisengehalte, die im Oberlauf messbar sind, stammen aus dem oberen Schiffgraben. Dieser führt zum einen stark eisenhaltiges Grundwasser aus dem Altwarmbüchener Moor, zum anderen erhält er aus dem nördlichen Teil der Mülldeponie Altwarmbüchen mit Stickstoffen belastetes Sickerwasser. Beides bewirkt eine sehr starke Verschmutzung des Schiffgrabens (Güteklasse III-IV).

Über den Wietzegraben führt die Kläranlage Ahlten ihr gereinigtes Abwasser ab. Unterhalb der Kläranlage ist der Graben stark verschmutzt (Güteklasse III), verbessert sich dann über sein Selbstreinigungsvermögen in Güteklasse II-III. Diese Güteklasse behält er bis zum Zusammenfluss mit dem oberen Schiffgraben bei. Oberhalb der Kläranlage Ahlten wird der Wietzegraben durch das Zuleiten von Bruchsohlenwasser aus der Mergelgrube Höver kritisch belastet (Güteklasse II-III). Oberhalb der Mergelgrube ist der Wietzegraben nur mäßig belastet (Güteklasse II). Der Oberlauf des Wietzegrabens wird vom Bockmerholzbach gebildet. Dieser befindet sich ebenfalls in der Güteklasse II.

In Misburg-Nord führt der Brandgraben das Wasser mehrerer Gräben im Misburger Wald dem Wietzegraben zu. Seitdem bauliche Veränderungen an einem Überlaufbauwerk eine kontinuierlichere Wasserführung bei Niedrig- und Mittelwasser garantieren, hat sich die Gütesituation des Baches verbessert. Zur Zeit wird er in Güteklasse II eingestuft.

Wietze und Laher Graben sind kritisch belastet

Abschrift aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 16.06.2016, Stadt-Anzeiger Ost (von Christian Link)

Die Lage der Fließgewässer in Hannovers Nordosten ist ernst: Der gesamte Laher Graben und der gesamte Wietzelauf innerhalb des Stadtgebiets sind als kritisch belastet einzustufen. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeitsgemeinschaft Limnologie und Gewässerschutz Hannover in ihrem jüngsten Wasser-Report.

Die Arbeitsgemeinschaft Limnologie und Gewässerschutz (ALG) Hannover untersucht regelmäßig die Gewässerqualität von Bächen und Flüssen. Neben biologischen Gütekartierungen führen die Limnologen (Süßwasserkundler) auch chemische und physikalische Messungen durch.

In kritisch belasteten Gewässern ist nicht nur ein Fischsterben infolge Sauerstoffdefizits möglich. Auch die Anzahl der verschiedenen Tierarten geht zurück, während gewisse Arten zu Massenentwicklung neigen.

Wietze

Immerhin die Neuseeländische Deckelschnecke lässt sich in Isernhagen-Süd noch recht häufig finden. Andere wirbellose Tiere wie etwa Flohkrebse, Rollegel oder Eiförmige Schlammschnecken konnte die ALG bei ihrer Untersuchung auf Höhe der Straße Im Eichholz nur ganz selten entdecken. Für die Gewässerqualität ist die geringe Artenvielfalt ein schlechtes Zeichen. Auch oberhalb der Einmündung des Laher Grabens waren die Ergebnisse nicht viel besser. „Die Limnofauna zeigte sich bei den vorgefundenen Arten relativ individuenarm“, heißt es im Wasser-Report. Die Sauerstoffsättigung fällt mit 65 bis 82 Prozent ebenfalls nicht gut aus. Die Eisenbelastung liegt bei 0,4 Milligramm pro Liter. „Die leichte Eisenbelastung war auch geruchlich wahrzunehmen“, schreibt die ALG. Die Wietze erhält nur die Güteklasse II-III. Fazit: „Der gesamte Wietzelauf innerhalb des Stadtgebiets von Hannover kann als kritisch belastet eingestuft werden.“

Laher Graben

Schon 2014 stellte die ALG fest, dass der Oberlauf des Laher Grabens nur eine Sauerstoffsättigung von 50 Prozent aufweist und kritisch belastet ist. Mittlerweile untersuchten die Gewässerkundler auch den Unterlauf (nördlich der Autobahn 1) und entdeckten auch hier nur einen Sauerstoffsättigungswert von 57 Prozent. „Dieser und auch der Ammoniumstickstoffwert von 9,31 Milligramm pro Liter entsprachen den Kriterien der Güteklasse II-III“, heißt es im Wasser-Report. Im Wasser würden sich vor allem Flohkrebse tummeln, auch ein paar Wasserasseln waren zu finden. Außerdem gibt es im Laher Graben auch Rollegel, Große Schneckenegel, Schlammfliegen- und Köcherfliegenlarven. „Neben dem Wasserskorpion wurde auch ein beeindruckendes Exemplar der Gelbrandkäferlarve gefunden“, freuen sich die Limnologen. Der Gesamteisengehalt ist mit 1,5 Milligramm pro Liter auffällig hoch.

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