Junge Familien sind auf dem Vormarsch

Ein beschauliches und beliebtes Viertel:
In Isernhagen-Süd vollzieht sich allmählich ein Generationswechsel

gefunden in: Stadt-Anzeiger der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 2.8.2007 - von Susanna Bauch

Im beschaulichen ‘Jägerstieg’ hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan. Immer wieder rollen Baufahrzeuge an, um vor allem die Eingangsbereiche der in die Jahre gekommenen Einfamilienhäuser zu modernisieren - Granit statt Glasbausteinen. In Isernhagen-Süd haben Bauherren in den fünfziger und sechziger Jahren den Stil geprägt, ein Stil, der heute nicht unbedingt mehr gefragt ist und dessen Substanz zuweilen zu wünschen übrig lässt. Gefragt ist aber das beschauliche Viertel nach wie vor, und zwar zunehmend von jungen Familien. Der Generationswechsel ist hier bereits in vollem Gange.

Wo viel Glas und Edelstahl die Fassaden prägt, sind die ursprünglichen Besitzer meist längst ausgezogen. Und in Vorgärten weisen Schilder von Maklerbüros auf ein verlassenes Anwesen hin. “Die Nachfrage nach Isernhagen-Süd ist derzeit besonders groß”, sagt eine Mitarbeiterin des Immobilienmalers Dahler&Company. Immer häufiger werden Häuser frei und stehen zum Verkauf. “Oft müssen diese vorwiegend älteren Objekte allerdings von Grund auf saniert werden”, betont die Maklerin. Oder das Grundstück wird - wie etwa in der Großen Heide - gleich als “Bauland mit Abrißhaus” angeboten.

Mit etwas Glück kann in Isernhagen-Süd auch noch neu gebaut werden, wie etwa Am Rotdorn, wo derzeit drei Häuser errichtet werden. In der Straße Sachsenhain gibt es auch noch zwei unbebaute Grundstücke, die “großen Nachfrage wird den Preis steigen lassen”, vermutet die Maklerin. Und wie oft sie auf das verwaiste Haus An der Wietze angesprochen wurde, das weiß eine Nachbarin schon gar nicht mehr. “Aber das soll wohl nicht verkauft werden.”

Über Preise wird dabei von Käufern und Verkäufern nicht gerne gesprochen. Aber rund 250 bis 400 Euro pro Quadratmeter Grundstück sind derzeit die Regel. In der Lindenallee wird ein Objekt samt Abrisshaus für rund 330 Euro pro Quadratmeter angeboten, während ein unbebautes Stück Land im Sachsenhain für 100 Euro weniger zu haben ist.

In den fünfziger Jahren wurden großzügige Grundstücke bemessen, allerdings sind auch diese Flächen heute nicht ohne weiteres teilbar. Da es hier um Landschaftsschutzgebiet handelt, ist eine Mindestgröße von 1000 Quadratmeter Vorschrift. Und auf die Anwesen mit einer Größe von 2000 Quadratmeter und mehr würden auch heute noch entsprechend großzügigere Einfamilienhäuser gesetzt, so die Maklerin.

Das sich einiges tut im Stadtteil, macht sich aber nicht nur an den modernen bis klotzigen Neubauten neben schlichten, älteren Bungalows und den vielen Familienautos bemerkbar. Der Kindergarten an der  Großen Heide hat wieder richtig Zulauf. “Wir haben sehr gute Anmeldezahlen”, sagt Leiterin Rosemarie Rieke. Der Bedarf steige durch die vielen neuen Anwohner seit drei Jahren kontinuierlich. 60 Kinder können derzeit zum Teil bis 14 Uhr hier betreut werden, doch es gibt auch eine Warteliste. “Im Moment ist hier ein richtiger Wandel zu spüren”, sagt Rosemarie Rieke. Und sie macht keinen Hehl daraus, dass sie sich über die Veränderungen freut.

Der Familiennachwuchs im Viertel sorgt auch dafür, dass der Schulbus wieder voller wird und vielleicht auch bald die Kirche - jedenfalls was die Konfirmation anbetrifft. Am neuen Pfarr- und Gemeindehaus wird bereits gebaut. Nicht allen gefällt jedoch das rege bauliche Treiben im Stadtteil. “Besonders brisant ist es, wenn hier wie in der Großen Heide zu hoch gebaut wird oder Baukörper entstehen, die nicht ins Bild des Viertels passen”, meint Werner Mollnau vom Bürgerverein Isernhagen-Süd. So schön es sei, endlich wieder mehr Kinder auf den Strassen zu sehen, “so sehr wächst auch die Sorge, dass hier Grundstücke schnell zu Geld gemacht werden und die Nachbarn dann mit den Konsequenzen leben müssen”, so Mollnau.

Vielleicht traut sich mit dem Generationswechsel in naher Zukunft auch wieder ein Einzelhändler, sein Geschäft “im Dorf” zu eröffnen. Denn auch im neuen Isernhagen-Süd gibt es viele Kunden, die gerne eine fußläufige Alternative zum Discounter hätten. “Einfach mal nur um ein paar Ecken zu gehen für Brot, Gemüse und frisches Obst, das würde sich schon lohnen”, glaubt Barbara Hinkel, die seit zwei Jahren mit ihrer Familie in Isernhagen wohnt. Schließlich hätten auch die älteren Bewohner etwas davon. Die kennen ein reichhaltigeres Einkaufsangebot ohnehin von früher, und einigen ist der Weg zum kleinen Einkaufszentrum am Fasanenkrug zu weit.

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