Kunst in der Philippus-Kirche

Philippus-AltarÜber fünfzig Jahre ist unsere Gemeinde alt, aber unsere jetzige Kirche wurde erst am 11.02.1963 feierlich geweiht. Leicht war der Weg dahin nicht, jeder Pfennig musste in der Gemeinde umgedreht werden, nicht nur zum Aufbau des eigenen Heimes. Und dann waren da immer die bohrenden Appelle des Pastors: „Ein Haus Gottes ist ebenso wichtig wie das eigene Heim.“ Heute können wir mit Freude zurückblicken und feststellen, dass alles wohl gelungen ist und immer wieder noch Geld übrig war, die kunstvolle Ausstattung unserer Kirche zu finanzieren.

Seit Christen ein Haus für Gott bauen, wohl schon vor Kaiser Konstantin, haben sie immer wieder begabte Handwerker und Künstler gebeten, an der Gestaltlung ihres Gotteshauses mitzuwirken. Heute stehen wir staunend vor diesen Schöpfungen vergangener Epochen, machen Reisen zu Kirchen und Domen und lassen uns faszinieren von der Strahlkraft christlicher Kunstwerke.

Die Philippuskirche ist in ihrer sparsamen, klar gegliederten Architektur ein typisches Werk der sechziger Jahre. Entworfen von dem Architekten und Stadtbaurat Hanns Bettex (1899 – 1963) unter Mitarbeit von dem Architekten Müller-Krumwiede öffnet sich die Kirche durch ein kupfergetriebene Doppeltür des Bildhauers Peter Greve (1910 – 1983). Der rechte Flügel berichtet von der Speisung der Fünftausend, mit Christus, Brot und Fisch; der linke Türflügel von Philippus, Nathanael und anderen Griechen, die später alle über Philippus zu Christus gefunden haben.

Im Kirchvorraum gliedert sich die linke Wand durch vier abstrahiert gestaltete Bundglasfenster von Heinz Bohatschek (1913 – 1983) über die berühmten Worde aus dem Johannes-Evangelium: Ich bin der Weg (Joh. 14,6) – Ich bin die Tür (Joh. 10,7) – Ich bin das Licht (Joh. 8,12) – Ich bin der rechte Weinstock (Joh. 15,5). Der erste Blick beim Eintreten fällt aber auf ein bogenförmiges Glasbild; Jesus, Maria und Martha, vor 1900 in der berühmten Glaswerkstätte G. van Treeck, München entstanden. Verglaste Opaleszentgläser verbunden mit einer differenzierten Schwarzlotmalerei geben dem historischen Glasbild eine malerische Ausstrahlung, ein Werk, das früher einmal die Ostwand einer oberbayrischen Friedhofskapelle geschmückt hat.
Seit mehreren Jahren wird der Kirchenvorraum als verlässlich offene Kirche genutzt. Ein schlichter Altar, geschmückt mit dem ersten Parament der Gemeinde von 1954, darauf gedrungene Eisenleuchter und ein filigran nach oben strebendes Kreuz, alles Arbeiten des bekannten Kunstschmieds Peter Asendorf aus Bissendorf. Dank großzügiger Spenden konnten wir in der letzten Zeit dazu einen schweren Kerzenträger erwerben, der von vielen Besuchern dankbar benutzt wird.


Philippus-TriumphkreuzHohe Wände, oben abgeschlossen durch leicht getönte, bleiverglaste Fenster öffnen den weiten Kirchenraum hin zu einem freistehenden Sandsteinaltar, über dem sofort das Triumphkreuz auffällt, das wohl das heimliche Wahrzeichen unserer Kirche ist. Licht von oben und eine warme, strukturierte Holzdecke fangen die Weite des Raumes auf und geben ihm eine heimelige Atmosphäre.

Das über dem Altar schwebende Triumphkreuz ist eine Gemeinschaftsarbeit des Künstlerehepaares Resl Schröder-Lechner (geb. 1910) und Heinrich Schröder (geb. 1913) aus Gohfeld bei Löhne. Im Zentrum der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem steht das Lamm, das als Siegeszeichen ein blaues Kreuz trägt, Symbol für Christus. Die Mauern mit den zwölf Toren sind nach außen geklappt und bilden so eine Kreuz, ausgelegt in Glasmosaik, strahlend wie edelster Jaspis, gleich wie es in der Offenbarung des Johannes heißt.

Philippus-MeditationskreuzAuf dem Altar steht ein kleines Meditationskreuz, ein hängender, leidender Gottessohn, dessen erhobene Hände gleichzeitig auf eine frühchristliche Gebetshaltung hinweisen; eine Arbeit von Resl Schröder-Lechner, die als Künstlerin auch zahlreiche Arbeiten für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur geschaffen hat.

„Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist“, graphisch sachlich und einfach gestaltet von Werner Pöschel (1927 – 2002), stehen die Worte des Kämmerers aus der Philippusgeschichte auf der Tropfschale unseres Taufleuchters. Gleich daneben der in Muschelkalk gehauene monumentale Taufstein von Ingeborg Steinohrt (1917 – 1994), der uns die Geschichte ausführlich illustriert, mit dem Engel, dem Kämmerer, Philippus und der Taufe des Kämmerers. Gekrönt wird der Taufstein endlich von einem in Messing getriebenem Taufbecken mit Deckel, gearbeitet von dem Kunstschmied Freidrich Marby (1905 – 1984), den man heute zu den bedeutenden Metallgestaltern unserer Zeit zählt. Marby hatte zu Lebzeiten seine Werkstatt direkt neben unserer ersten Gottesdienststelle am Waldeseck, eine glückliche Fügung. Neben den Arbeiten am Taufstein besitzt die Gemeinde heute die Leuchter auf dem Altar, Leuchter und Kreuz aus dem ersten Kirchenraum am Waldeseck, zwei silberne Abendmahlskelche, eine Abendmahlskanne, Patene und Hostiendose von der Hand Friedrich Marbys, klare und sachliche Formen, die die Herkunft des Meisters vom Bauhaus in Weimar erkennen lassen.


Philippus-TaufbeckenAnlässlich einer großen Einzelausstellung in unserer Kirche über das Gesamtwerk von Ingeborg Steinohrt 1993 konnte die Gemeinde durch eine Spendenaktion ein Hauptwerk der Künstlerin, das 250 cm hohe Standkreuz von 1971, erwerben, das heute meistens rechts neben dem Altar steht. Auch als Vortragekreuz gedacht, erzählt es in einer einmaligen Geschlossenheit von dem Geschehen unter dem Kreuz und am Kreuz von Golgatha. Kunstgeschichtlich wohl einmalig löst sich der Gekreuzigte vom Kreuz und wendet sich mit einer liebevollen Handbewegung dem Mörder zu seiner Rechten zu.

Antependien an Altar, Kanzel und Lesepult sollen den Besuchern der Kirche und des Gottesdienstes den Ablauf des Kirchenjahres in der Folge seiner Feste anzeigen. Gleichzeitig dienen sie zum Lobpreis Gottes durch künstlerische Aussage, durch gediegene Ausführung unter Verwendung edler Materialien. Antependien unterstützen die Wortverkündigung durch ihre bildhafte Kraft. Gestaltet wurden unsere Paramente von Helmut Seehausen (1913-2000), dem langjährigen Entwerfer für die Paramentenweberei in der Henriettenstiftung Hannover.




Philippus-StandkreuzAltaraufsatz für das Meditationskreuz, der Träger des Standkreuzes und Seitenlampen mit Kerzenleuchtern sind von dem Kunstschmied und Metallgestalter Peter Asendorf (geb. 1950) aus Bissendorf. Sind diese Objekte auch später die Kirche gekommen, so hat der Künstler durch eine formale Anpassung dazu beigetragen, die stilistische Einheit der Kirche nicht zu verändern.

Im Herbst 2000 kam anlässlich einer Ausstellung der berühmte „Polnische Kreuzweg“ des großen deutschen Holzschneiders HAP Grieshaber (1909-1981) in unsere Kirche. Geschnitten in Holz für die wieder aufgebaute barocke Schlosskirche im Bruchsal schrieb kein geringerer als der Primas von Polen, Stefan Kardinal Wyszynski, Meditationen zu Grieshabers Bildern und erteilte dem Künstler vorbehaltlos Imprimatur zum Druck des Kreuzweges. Somit wurde der 1967 farbig gedruckte Kreuzweg zum ersten gemeinsamen deutsch-polnischen Werk der Nachkriegszeit und wurde daraufhin als „Kreuzweg der Versöhnung“ teil der Geschichte. Wie ein farbiges Band teilen die 14 Farbholzschnitte die linke Kirchenwand, von der Waschung des Pilatus bis zum offenen Grab und leiten den Blick des Kirchenbesuchers unbewusst in den Altarraum, zum Kreuz.

Philippus-Polnischer Kreuzweg



Kunst in St. Philippus – über 50 Jahre Geschichte im geistigen Leben einer Gemeinde, in unserer Gemeinde. Wir begegnen Menschen und Künstlern, die uns erkennen lassen, dass ihre Werke nicht nur Dekoration sind, sondern zeitlose Gestaltung einer christlichen Botschaft – eine Kunst zum Schmuck der heiligen Orte.

(Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Volker Dallmeier)
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