Spaziergänger bangen um ihr Idyll

Militär will verstärkt üben

Abschrift aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 04.11.2010, Stadt-Anzeiger Ost (von Julia Sellner)

Der Wind bläst über die buntgefärbten Bäume. Wolfgang Glage klappt seinen Jackenkragen hoch. In der Ferne läuft ein Jogger mit seinem Hund über die Wiese, ein Fußgänge kreuzt seinen Weg. “Hier ist es einfach herrlich, die frische Luft tut mir immer wieder aufs Neue gut”, sagt der 83-jährige Glage. Wie zahlreiche andere Einwohner aus der Umgebung geht der Bothfelder fast jeden Tag auf dem Standortübungsplatz in Isernhagen-Süd an der Großen Heide spazieren. Nur selten wird dort die rote Fahne gehisst, die anzeigt, dass Feldjäger der Bundeswehr trainieren und das Gelände nicht betreten werden darf. An den vielen übungsfreien Tagen erinnern einzig einige Hinweisschilder daran, dass man sich auf militärischem Gelände befindet. Und so nutzt Glage zusammen mit seiner Frau Heike und seiner Irish-Setter-Hündin  Smilla das Gelände gern zu Erholung, findet beim Schlendern über die Wiesen Entspannung und Ruhe. Und das schon seit rund 30 Jahren.

Doch in den vergangenen Wochen war der Spaziergang auf dem Standortübungsplatz für Wolfgang und Keike Glage nicht mehr ganz so unbeschwert. Unter den Spaziergängern kursieren Gerüchte, das militärische Gelände solle eingezäunt werden. “Außerdem wird spekuliert, dass auf dem Strandortübungsplatz künftig Soldaten auf Einsätze in Afghanistan vorbereitet werden sollen”, erzählt Wolfgang Glage. Einige Soldaten reagierten auch ablehnend auf die Spaziergänger. Denn obwohl sich die meisten ordentlich verhielten, gebe es einige, die ihren Müll einfach in die Natur werfen, Hundekot nicht entfernen, ihre Hunde entgegen den Anweisungen auf den Schildern herumstreunern lassen oder sich über die Bundeswehr lustig machen, erzählt Heike Glage. “Manchmal ist der Ton schon sehr barsch”, ergänzt ihr Mann.

Kürzlich soll ein Feldjäger einem Spaziergänger gedroht haben, dass demnächst ein Zaun um das Gelände errichtet werde. “Er hat gesagt, dass wir hier sowieso nicht mehr spazieren gehen können”, sagt Glage. “Das wäre eine Katastrophe für uns”, meint auch Anita Zielonka aus Misburg. Mit ihrem Rüden Lucky ist sie regelmäßig auf dem Standortübungsplatz unterwegs und schätzt “die romantische Landschaft”. Hier sei einer der wenigen Orte in der Region, an dem man ausgedehnte Spaziergänge mit seinem Hund machen könne.

“Der Standortübungsplatz ist ein Eldorado für Hundebesitzer”, weiß auch Werner Mollnau, Vorsitzender des Bürgervereins Isernhagen-Süd. Die Sorge, dass Spaziergänger den Platz nicht mehr betreten dürfen, gehe schon länger im Stadtteil um. So gebe es auch Gerüchte, das militärische Gelände könne zu Bauland umfunktioniert werden. “Ich kann mir das aber nicht vorstellen”, sagt Mollnau.

Die Bundeswehr indes gibt Entwarnung. Eine Einzäunung sei nicht geplant und auch gar nicht notwendig, sagt Oberstleutnant Knut Freter. Schließlich regelten Schilder, Schranken und Fahnen die Zutrittsberechtigung, fügt der Pressestabsoffizier des Landeskommandos Niedersachsen hinzu. Auch von Müllproblemen oder Ärger zwischen Spaziergängern und Feldjägern habe er bisher nichts gehört. “Da klappt alles bestens”, sagt Freter. Auch an dem Gerücht, der Standortübungsplatz in Isernhagen-Süd werde künftig verstärkt für die Vorbereitung der Soldaten auf Einsätze in Afghanistan genutzt, ist nach den Worten Freters nichts dran. “So etwas passiert eher auf Truppenübungsplätzen oder im Gefechtsübungszentrum in Letzlingen in Sachsen-Anhalt.” Die Spaziergänger könnten sich einzig darauf einstellen, dass aufgrund des Umzuges der Feldjägerschule von Sonthofen nach Hannover künftig häufiger auf dem Platz trainiert werde. Zudem würden momentan entlang des kleinen Flüsschens einige neue Schilder aufgestellt, die etwa darauf hinweisen, dass das Betreten des Platzes nur außerhalb der Übungszeiten und mit angeleinten Hunden erlaubt ist und die Entsorgung von Müll ebenso verboten ist, wie das Reiten, das Campen oder das Verlassen der befestigten Wege.

Ganz überzeugen können die Worte des Pressestabsoffiziers das Ehepaar Glage und andere Spaziergänger aber nicht. “Irgendetwas müsse an den Gerüchten ja dran sein”, meinten sie.

Truppenübungsplatz11_kNutzung des Standortübungsplatzes

Der Durchgang an der Ecke zur Schießbahn, in Richtung Osten auf den wietzebegleitenden Weg "Große Heide" nur so versperrt, dass man unter der stets geschlossenen Schranke hindurchkriechend musste um den Standortübungsplatz durch diesen Ausgang zu betreten oder zu verlassen. Ältere Personen sowie auch Personen mit Fahrrädern, Kinderwagen/-Karren, Rollstühlen oder Rollatoren haben z. T. erhebliche Mühe, diesen "Kriechakt" zu bewältigen.

Wir haben uns erneut an die Bundeswehr gewandt, nach Gründen zu fragen, speziell diesen  Zugang so hermetisch abzuriegeln. Dies verbanden wir mit der Bitte, ob nicht zumindest ein so breiter Durchlass neben der Schranke wieder eingerichtet werden könnte, dass die oben geschilderten Personen einigermaßen mühelos dort hindurch gelangen können.

Am 23.06.2011 erhielten wir von der Bundeswehr die Antwort, dass nach umfänglicher Prüfung mitteilen, dass die Bundeswehr unserem Wunsch nachkommen und einen Durchgang ,,An der neuen Bulf' schaffen wird. An der Schranke werden zwei Betonpfeiler beseitigt. Die dadurch entstehende Lücke, ca. 1m, sollte für Fahrradfahrer und Kinderwagen als Durchgang ausreichend sein. Durch weitere Betonpfeiler, in der Seite des Berges, wird ein Absacken der Erdmasse verhindert. Somit wird auch der Verkehrssicherungspflicht nachgekommen. Dies ist inzwischen umgesetzt - vielen Dank!

Die Bundeswehr hat jedoch auch darauf aufmerksam machen, dass dieser Durchgang nur unter Vorbehalt geöffnet werden kann. Ursächlich sind Erfahrungen in den rückliegenden Jahren, als die Zugänge im Bereich LANGENHAGEN immer wieder von Motorradfahrern missbraucht wurden, um den Ubungsplatz außerhalb der Ubungszeiten als Crossgelände zu benutzen. Es kam immer wieder zu gefährlichen Situationen gegenüber den anderen Besuchern des Platzes. lm Falle eines Missbrauchs des Durchganges, müssen die Betonpfeiler wieder zurückgestellt werden.

Informationen zum Standortübungsplatz

Truppenübungsplatz15_kDer Eingang zum Standortübungsplatz an der Straßenecke Wildpfad / Hilligenwöhren ist in letzter Zeit zu einer Abladestelle für Gartenabfälle verkommen.

Wir haben uns an die Bundeswehr mit der Bitte gewandt, diesen Bereich aufzuräumen. Dieses wird geschehen, gleichzeitig wurden wir gebeten, die Anlieger als Verursacher anzusprechen. Dieser Bitte werden wir nachgehen, schließlich wollen wir die Lebensqualität in unserem Stadtteil erhalten oder, wo möglich, noch verbessern!

Dies sind die Antwort der Bundeswehr sowie unser Rundschreiben an die Anlieger.

Gleichzeitig wurde uns mitgeteilt, dass der gekennzeichnete Übungsbetrieb (Rote Flaggen), gerade im Norden des Platzes, im Bereich des befestigten Weges entlang der Wietze und der dazugehörigen Zugänge, wieder häufiger missachtet wird. Da auch Kraftfahrausbildung auf dem Standortübungsplatz durchgeführt wird und dabei vorangig die befestigten Wege benutzt werden, besteht bei unbefugtem Betreten des Übungsplatzes eine nicht zu unterschätzende Gefährdung in diesen Bereichen. Deshalb ist eine Freigabe des Weges, während des Übungsbetriebes wie vom Bürgerverein ebenfalls gewünscht, nicht möglich.

Abschrift aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18.11.2010, Stadt-Anzeiger Ost Truppenübungsplatz1(von Gerda Valentin)

Vor allem bei Hundehaltern, aber auch bei Spaziergängern, Joggern und Radfahrern ist der Bundeswehr-Übungsplatz zwischen Isernhagen-Süd und Langenhagen sehr beliebt. Bislang war das Militär hier eher selten zu sehen, doch nun will es seine Übungen auf dem Gelände wieder verstärken. Darauf hat Oberstleutnant Ottmar Strehler in einer Veranstaltung des Bürgervereins Isernhagen-Süd zur Zukunft des Übungsplatzes hingewiesen, zu der rund 100 Teilnehmer in die Vinothek “Le Sommelier” an der Prüßentrift gekommen waren.

Strehler widersprach zunächst dem Gerücht, dass der Platz gänzlich gesperrt werden soll. Nach wie vor würden jedoch strikte Regeln für die Allgemeinheit gelten, betonte er. Sei die rote Fahne aufgezogen, dürfe grundsätzlich kein Zivilist das Gelände betreten. Außerhalb dieser Zeiten dürfe niemand die befestigten Wege verlassen, und Hunde seine an der Leine zu führen. “Erst Anfang August haben wir auf dem Platz fast 100 Kilo alte, aber immer noch gefährliche Munition gefunden”, warnte Strehler.

Truppenübungsplatz2In der Runde war längst das Raunen der Hundehalter zu vernehmen, die in der Versammlung deutlich in der Mehrheit waren. “Wissen Sie überhaupt, was man einem Hund antut, der nur an der Leine laufen darf?”, rief erbost ein älterer Herr. Die meisten Hundehalter allerdings wollten weiter auf den gewohnten Graswegen gehen. Viele befürchten, dass sie und ihre Tiere gegenüber anderen Nutzern des Platzes Nachteile haben. “Warum darf hier einmal im Jahr die Hubertusjagd durchreiten?” fragte etwa Anwohner Klaus Noreikat. Auch eine Schafherde, Jogger und gar Rettungshundestaffeln wurden als Nutzer ins Feld geführt. Der Oberstleutnant verwies auf eigene Verträge, die es mit den Hundestaffeln etwa des Roten Kreuzes oder des Technischen Hilfswerkes gebe.

Doch es gab auch einige Vorschläge zur Lösung des Problems: Anwohner Hans-Heinrich Brühl zum Beispiel regte an, am Rande der Wohnbebauung von Isernhagen-Süd ein Stück des Übungsgeländes freizugeben. “Dort könnten sich die Hunde austoben, bevor man sie wieder an die Leine nimmt”, sagte Brühl. Strehler indes griff einen anderen Vorschlag aus dem Publikum auf: an einem der Hauptzugänge zum Gelände könnte ein Schaukasten aufgestellt werden, in dem über die Übungszeiten informiert wird. Ebenfalls denkbar sei ein Hinweis im Internet.

Strehler kündigte an, dass der Standortübungsplatz bei Isernhagen-Süd unter anderem wegen der Verlegung der Feldjägerschule nach Hannover künftig wieder intensiv genutzt werden soll - auch während der Brut- und Setzzeit, da es für die Bundeswehr diesbezüglich keine Auflagen gebe. Auch Wochenend- und Nachtübungen fänden künftig auf dem Übungsplatz statt. Und damit näherte sich bereits das nächste Problem. “Wie viel Lärm müssen wir dann hier eigentlich ertragen?”, fragte Marianne Mollnau. Mit Panzern werde auf dem Platz nicht gefahren, erwidert der Oberstleutnant. Aber das Schießen werde sicher zu hören sein.

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