Isernhagen-Süd, die Gärtnerei Fischer am Kahlendamm und das Usambaraveilchen

Usambaraveilchen1Die Geschichte des Usambaraveilchens beginnt sehr romantisch: Am späten Nachmittag eines Sommertages im Jahre 1892 ging der deutsche Gouverneur in Deutsch-Ost-Afrika Baron Adalbert Emil Walter Redcliffe Le Tan-neux von Saint Paul, zusammen mit seiner Braut in seiner Gummibaum- und Vanilleplantage spazieren. Der Hitze des Tages suchten sie zu entgehen, indem sie sich in den schattigen Wäldern entlang eines Flusses aufhielten. Plötzlich stießen die beiden auf ihnen bislang völlig unbekannte Blumen. Der Bräutigam war von dem wunderbaren Anblick so begeistert und pflückte seiner Verlobten ein Sträußchen dieser "afrikanischen Veilchen".Usambaraveilchen2

Sein Vater war Gutsbesitzer in Schlesien und ein großer Blumenliebhaber. Seinen Schlosspark zierten die seltensten Freilandpflanzen, die er von seinen vielen Reisen mitgebracht hatte. Adalbert schickte folglich seinem Vater einige Samen, möglicherweise auch Pflanzen, von den neu entdeckten Blumensorten. Als der Vater in Deutschland die ersten Pflanzen großgezogen und zum Blühen gebracht hatte, war er begeistert von diesem Schatz, den er aus Afrika erhalten hatte. Er ließ einige Exemplare seinem Freund Hermann Wendland, dem damaligen Direktor des Botanischen Gartens in Hannover-Herrenhausen zukommen. Dieser gab den Pflanzen zu Ehren der Familie, von der er sie bekommen hatte, den neuen Gattungsnamen Saintpaulia. Von hier aus muß das beliebte Usambaraveilchen seinen Weg durch die Gärtnereien der Welt angetreten haben.

Die Gärtnerei Fischer am Kahlendamm gehörte zu den wenigen namhaften Zuchtbetrieben für diese Pflanze. Sie wurde von Oskar Fischer, einem Isernhägener, 1933 auf Geländeteilen der stillgelegten  ehemaligen Ziegelei gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg, besonders in den 60er Jahren, hat sich diese Gärtnerei zu einer reinen „Unterglas" Pflanzenproduktion entwickelt. Ab den 60er Jahren war die Spezialisierung auch in dieser Branche notwendig, das Usambaraveilchen  hat dieses möglich gemacht.

Viele Neuzüchtungen, Hybridzüchtung, entstanden in diesen Betrieb. Die neuen Sorten wurden vom Bundessortenamt als geschützte Sorten anerkannt und unter dem Warenzeichen „Fischer's Ballett" weltweit dem Fachhandel angeboten.
1993 feierte die Firma mit dem Berggarten in Herrenhausen „100 Jahre Usambaraveilchen, (lat. Saintpaulia ionantha)“, weil die Gärtnerei einen erheblichen Anteil an der Entwicklung dieser Pflanzenart hatte.

Der Betrieb beschäftigte ständig 30 bis 40 Mitarbeiter, in der Saison bis zu fünfzig. In den 80er / 90er Jahren wuchs die Glasfläche auf fast einen Hektar an. Leider wurde der Antrag auf eine dringend benötigte  Erweiterung dieser Fläche von der Stadt aus landschaftlich optischen Gründen abgelehnt. Wegen der damit einhergehenden immer ungünstigeren Produktionsverhältnisse wurde schließlich der Betrieb in Isernhagen-Süd Ende 1998 geschlossen. Die Arbeit wird nun in Holland weiter geführt und das Usambaraveilchen erfreut von dort aus weiterhin die Menschen.

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Herr Arnold Fischer mit Tochter Christine in Herrenhausen vor dem Stand der Firma Fischer, anlässlich der Veranstaltung 100 Jahre Usambaraveilchen

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