Die Wietze

Etwa um das Jahr 1700 schrieb Siegesmund Hosemann, Pastor in Celle, in seinem „Regentensahl“ über das Dorf Isernhagen:

 „ Es lieget dießes sehr schöne Dorff in einer an Holtzung und auch an herzlichen Auen und Feldern überall lustigen Gegend, von dann die anmuthigen Wiesen, durch welche die Wietze hinrinnet, fast bis gegen die Grentzen von Hannover reichen. Sodann durchstreift die Wietze den zwischen Isernhagen und Bothfeld liegenden Wietzedamm und richtet ihren Gang durch die schönsten grünen Auen …“

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Die Wietze beginnt als Edder östlich der Autobahn A7/E45, knapp südlich des Golfplatzes Lohne, fließt nach Westen, schnurgerade durch Isernhagen Süd hindurch, an der Nordgrenze des Standortübungsplatzes entlang, bevor sie sich an der Pferderennbahn von Langenhagen nach Norden wendet. Bei dem Ort Wietze mündet sie in die Aller.

In den Wietze-Auen konnte wegen der immer wiederkehrenden Überschwemmungen lange nicht gesiedelt werden. Dennoch war sie zum Betreiben von Mühlen durch Aufstauen des Wassers gut geeignet.  So entstanden an der Wietze, die früher „Möhlenbeeke“ hieß, schon sehr bald 3 Wassermühlen, die etwa Mitte des 16. Jahrhunderts durch Windmühlen auf den nördlichen Höhen abgelöst wurden

Zwischen dem ehemaligen Heidebrink (heute Restaurant an der Prüßentrift zwischen Varrelheide und Lindenallee) und dem Welfenhof muss sich früher die Wietze in 3, wenn nicht gar 4 Wasserläufe aufgeteilt haben.

An einem dieser Wasserläufe, da wo sich heute das Hotel Welfenhof befindet, stand die erste der Wassermühlen. Hinter dem Hotel findet man heute noch die Deichwiesen. Das Gelände liegt tiefer und diente zum Stauen des Wietzewassers für die dort befindliche Wassermühle.

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 teichförmige Ausdehnung der
Wietzeniederung - das Gelände
steigt zum Mühlenkampe an
(Mühlenteich?)

Im Jahr 2005 wurde dieses Gelände von der Stadt Hannover als Baugelände ausgewiesen -  gegen erheblichen Widerstand der Anlieger. Dabei ist interessant, dass sich das Vorhaben schwer verwirklichen lässt, weil die Fläche zu tief liegt und folglich im Grundwasserbereich der Wietze zu bauen wäre. Der Wasserstand müsste also ständig durch Pumpen niedrig gehalten oder das gesamte Gelände aufgeschüttet werden.

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Weiter flussaufwärts, am Übergang der Breitentrift über die Wietze, befindet sich westlich  der kleinen Brücke das Flurstück „Mühlkamp“ und erinnert an eine weitere Wassermühle, die auf alten Karten dort als „Neue Mühle“ genannt wird. Auch hier ist am tieferen Gelände an der Wietze das Gelände zum Aufstauen eines Mühlenteichs zu vermuten.

Die dritte Mühle befand sich noch weiter flussaufwärts.

Ursprünglich folgte die Wietze ihrem natürlichen Verlauf und hatte reichlich Platz um sich bei Hochwasser in den Wietzeauen  auszubreiten.

Durch die zunehmende Bebauung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen immer mehr Häuser in den Hochwasserbereich der Wietze. Bei starken Regenfällen oder bei der Schneeschmelze  kam es dann immer wieder zu erheblichen Überschwemmungen in Isernhagen-Süd.

Die Wietze vor der Begradigung
Foto: Rohde

Im Winter waren die Wiesen damals oftmals zugefroren und die Kinder konnten auf Schlittschuhen bis weit in den Raum von Isernhagen / Altwarmbüchen fahren.

Die Lage wurde erst entschärft durch die Begradigung der Wietze und den Bau des Regenrückhaltebeckens „Im Flöthe“.

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Schneeschmelze 1941, Hochwasser an der Wietze  Fotos: Rhode

Nicht nur nach der Besiedelung von Isernhagen-Süd waren Grundwasserstand und Überschwemmungen der Wietze ein Problem. Bereits nach der Verkoppelung Mitte des 19. Jahrhunderts und der Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen von Isernhagen NB stellten sich die Wietzeregulierung und die Entwässerung der Wietzeniederung als Aufgabe.

Den ersten Anlauf hierzu gab es bereits 1853. Die Entwässerungssituation der Landwirtschaftsflächen, um die es  vornehmlich ging, wurde im Zuge der Teilung und Verkopplung seit den 1860er/70er Jahren verbessert; die Teilungsrecesse enthielten oftmals die Verpflichtung zur Anlage von Abzugsgräben.

Im Westen von Isernhagen-Süd, im Bereich des ehemaligen Militärübungsgeländes Mecklenheide, wurde die Wietze offenbar bald nach 1899 vom Militär bis zum Reuterdamm begradigt.

Der Landkreis Burgdorf organisierte seit 1903 die jährlichen Wietzeräumungen und unterhielt seit 1903 einen "Wiesenbaumeister", der Wasserregulierungspläne für Gemeinden oder Anlieger erstellte.

Im Burgwedeler Bereich wurde die Wietze in den 50er/60er Jahren ausgebaut. Die Regulierung der Wietze im Bereich von Isernhagen-Süd muss zwischen 1955 und 1965 erfolgt sein. Die letzte Maßnahme der Wietzeregulierung war der Bau des Regenrückhaltebeckens auf dem Flurstück „Im Flöthe“

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Häuser, die vor der Wietzeregulierung errichtet wurden, kann man noch heute daran erkennen, dass sie nicht ebenerdig gebaut sind und keinen richtigen Keller besitzen. Der Hauseingang ist über eine hohe Treppe zu erreichen, der Wohnraum liegt Hochparterre. Heute kennen wir keine Überschwemmungen mehr. Dennoch liegt der Grundwasserspiegel immer noch hoch.

    Haus Hochhut, Foto : Jänecke


1884 gab es noch Fischotter und Fischerei in der Wietze.

Auf dem Gebiet von Isernhagen-Süd mündet östlich der Prüßentrift der Laher Graben in die Wietze. Mit der Industrialisierung in Misburg und der damit einhergehenden Einleitung der Abwässer in den Laher Graben verschlechterte sich die Wasserqualität des Flusses.

Erst seit den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Wasserqualität wieder verbessert. Seitdem gibt es wieder Fische in der Wietze.

Typisch ist die rostrote Färbung des Wassers und der Uferböschungen, durch den ins Wasser abgegebenen „Rost“ des Raseneisensteins.

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